ERFOLGREICH SCHEITERN

Erfolgreich Scheitern

Allianz-Arena, München, 19. Mai 2012. Schweinsteiger trifft beim Elfmeter nur den Pfosten. Im Gegenzug trifft der Gegner. Der FC Bayern München verliert das Endspiel der Championsleague „dahoam“ nach Elfmeterschießen. Der erfolgsverwöhnte Club wird zum drittenmal in dieser Saison „nur“ Vize. Er ist – den eigenen Ansprüchen zufolge – gescheitert. Dreimal gescheitert.

Franz war ein attraktiver junger Mann. Ende 20 lernte er seine Traumfrau kennen. Schon nach einem Vierteljahr beschlossen beide, sich zu trauen. Die lange Suche nach dem idealen Partner hatte ein Ende. Ein happy end, das nicht sehr lange währte. Aus Gründen, die hier nicht näher geschildert werden sollen, kam es nach drei Jahren zur Trennung. Erst Mitte 30 war er, als er wieder bereit war, sich auf eine Beziehung einzulassen. Weil ein Kind unterwegs war, heiratete er die werdende Mutter. Diesmal hielt die Ehe fast 7 Jahre. Man einigte sich einvernehmlich, die Ehe nicht weiterzuführen. Das Kind blieb bei der Mutter. Franz blieb fast 10 Jahre allein. Er wollte vermeiden, noch einmal an die „Falsche“ zu geraten. Aber mit Anfang 50 kam der dritte Frühling. Er lernte eine deutlich jüngere Frau kennen. Alles schien zu passen. Weil das religiöse Umfeld ein Zusammenleben ohne Trauschein nicht akzeptierte, heiratete man. Aber auch dieses Glück währte nicht lang. Noch keine 60 Jahre, ist Franz erneut geschieden. Gescheitert. Dreimal gescheitert.

Karin wollte nach dem Abitur Musik studieren. Sie wollte, weil sie sollte. Es war der Wunsch des vor einigen Jahren verstorbenen Vaters. Karin war begabt, spürte aber auch den Druck, den das Vermächtnis des Vaters auslöste. Gerne wollte sie seinen Erwartungen entsprechen. Sie bewarb sich an einer Musikhochschule – und fiel überraschend durch. Nach einer Schreckphase schickte sie die zweite Bewerbung in einer anderen Stadt ab. Auch hier kam sie frustriert von der Prüfung zurück. Durchgefallen. Aller guten Dinge sind drei – sagt man. Also folgte eine weitere Bewerbung, wieder in einer anderen Stadt. Aber auch diesmal wurde sie nicht zum Musikstudium zugelassen. Gescheitert. Dreimal gescheitert.

Jeder von uns kennt das Gefühl des Scheiterns. Beruflich oder privat kann man sein Ziel verfehlen. Beim sportlichen Wettkampf, beim Erreichen des Idealgewichts, bei Gehaltsverhandlungen, in Beziehungen, beim Einhalten von moralischen und ethischen Standards. Scheitern begleitet jeden von uns und die gesamte Menschheit seit Adam und Eva.

Was ist Scheitern? Ich scheitere, wenn ich ein gestecktes Ziel nicht erreiche. Wenn ich nicht schaffe, was ich mir vorgenommen habe. Wenn ich keinen Erfolge habe. Wenn ich versagt habe. Wenn ich Erwartungen anderer nicht entspreche.

Wie kommt es zum Scheitern? Es ist leicht nachvollziehbar, dass es viele Gründe für Misserfolge gibt. Man kann diese in Kategorien einteilen wie z.B. Gründe, die in der Person zu suchen sind und solche, die außerhalb zu suchen sind. Interne Quellen für Scheitern können in der Persönlichkeit zu suchen sein, in mangelnder Motivation, im Leichtsinn, in fehlender Begabung usw.

Externe Gründe finden sich in anderen Menschen oder bestimmten Situationen. Im Wettkampf sind andere manchmal schlicht und einfach besser auf Grund ihrer Konstitution, ihres Trainingsaufwandes oder Dopings. Es kann eine Rolle spielen, ob ich mein sportlich gestecktes Ziel (z.B. persönliche Bestleistung) im Sommer oder Winter, am Vor- oder Nachmittag anpeile, auf Meereshöhe oder in den Bergen, bei Nässe oder Trockenheit. Äußere Umstände können erheblich zum Scheitern beitragen.

Ein anderes Kriterium wäre die Unterscheidung von realistischen und unrealistischen Zielen. Als Mitfünfziger brauche ich nicht mehr für Olympia trainieren. Das Scheitern ist vorprogrammiert.

Über sein Scheitern nachdenken, das kann sinnvoll sein. Eine Analyse hilft, weitere oder ähnliche Fehler zu reduzieren. Was führte zum Misserfolg? Wie hätte ich das Scheitern verhindern können? Was muss ich beim nächsten Mal anders machen? Aber das intensive Nachdenken über sein Scheitern muss auch im Verhältnis zum Ereignis stehen. Tagelang darüber zu grübeln, weshalb einem eine Mahlzeit angebrannt ist, macht wenig Sinn. Nach den Ursachen für das berufliche oder private Scheitern in einer Beziehung lohnt eine gründliche Untersuchung.

Scheitern hat Folgen. Immer. Es entsteht eine Diskrepanz zwischen Erwartungen und Erreichtem. Diese Spannung will gelöst sein. Die meisten von uns kennen das Gefühl der Frustration nach einem Misserfolg. Manche werden aggressiv gegen die Umwelt oder gegen sich selbst. Eine weitere Variante ist der Trotz nach dem Motto: „Noch ´n Versuch. Jetzt erst recht!“. Nicht selten stellt sich doch noch der Erfolg ein. Im zweiten Anlauf sozusagen. Aber wie unsere Anfangsbeispiele gezeigt haben, ist auch ein dreifaches Scheitern gar nicht so selten.

Wir wissen heute, dass die Wortwahl beim Sprechen, aber auch bei den gedanklichen Selbstgesprächen nicht folgenlos ist. Wie nenne ich mein Scheitern? Jedes Wort löst im Gehirn Assoziationsketten aus. Worte sind mit Gefühlen verknüpft. Eine andere Wortwahl führt mich zu anderen Empfindungen, zumindest graduell. Ist mein Scheitern ein Fehler? Eine Sünde? Eine Erfahrung, die ich gemacht habe? Ein Misserfolg? Ein Versagen? Eine Niederlage? Eine Katastrophe? Oder ein Übungsschritt? Eine Trainingseinheit? Ein Teilerfolg? Sind Silbermedaillen nicht ein Erfolg aus Sicht all derjenigen, die gar nicht auf dem Treppchen stehen? Sind gescheiterte Ehen nur schlecht oder haben die glücklichen Stunden nicht doch einen gewissen Wert? Wir sehen: Scheitern ist vielschichtig und kann sich ganz unterschiedlich anfühlen. Dies hängt von meiner Wortwahl bzw. der dahinter liegenden Bewertung des Geschehens ab.

Noch ´n Versuch: Wenn Kinder beim Laufenlernen nach dem dritten Fehlversuch aufgeben würden, könnte keiner von uns laufen. Aber Kinder geben nicht auf. Sie fallen oft auf die Nase. Und machen dennoch weiter. Laufenlernen ist ein Beispiel dafür, dass es Dinge gibt, die man durch Beharrlichkeit, Übung und Ausdauer oder durch Disziplin schließlich erfolgreich hinbekommt. Wir wissen, dass dies nur für realistische Ziele gilt. Wer sich etwas Utopisches in den Kopf gesetzt hat, wird es nie erreichen. Das ist die Kehrseite. Und die Kehrseite der Kehrseite lautet: Manches, was als utopisch galt, wurde dennoch geschafft, auch wenn hunderte vorher daran gescheitert waren. Es existieren auch scheinbare Utopien („Alle sagten: das geht nicht!“, bis einer kam, der dies nicht wusste und es einfach tat!“).

Es gibt Menschen, die sich durch Misserfolge nicht unterkriegen lassen. Die Scheitern als Chance sehen, als Lektion fürs Leben, als Trainingseinheit. Einer meiner Ausbilder pflegte zu sagen: „Aus Fehlern lernt man. Nur wer viele Fehler macht, lernt viel.“ Nach einem Misserfolg variiert man die Ausgangsposition, optimiert das Verfahren, und probiert es noch einmal.

Nun kennen wir aber auch das Phänomen, dass Menschen ein totes Pferd weiter reiten. Das wäre etwa so, als würde man ein falsches Medikament weiter einnehmen oder sogar höher dosieren. Es wird nicht besser, wenn man den falschen Ansatz, die falsche Methode, den falschen Weg immer und immer wieder ausprobiert. Erneutes Scheitern ist dann vorprogrammiert. Ein Computer, der sich aufgehängt hat, lässt sich durch ein Reset neu starten und i.d.R. wieder zum Laufen bringen. Bei uns Menschen funktioniert dies nicht immer so. Die Kunst besteht also darin, unterscheiden zu lernen, wo ein beharrliches, weiteres Probieren zum Erfolg führt und wo man sich in eine Sackgasse manövriert hat.

Die Kehrseite des Scheiterns: Als typische Erstreaktion auf Scheitern haben wir frustriertes oder aggressives Verhalten schon erwähnt. In einigen Fällen kann dies, wenn es um bedeutsame Vorfälle geht, auch depressive Reaktionen hervorrufen.

Im weiteren Verlauf kommen manche Menschen aber auch dahinter, dass das Scheitern nicht nur schrecklich und belastend war. Sie entdecken die Kehrseite des Scheiterns. Entweder im Sinne des Dazulernens und Bessermachens: Der Misserfolg zeigt mir, wie ich mein Verhalten optimieren kann. Oder sie finden sogar einen „Gewinn“ im Verlust. Dadurch, dass ich etwas nicht erreicht habe, bekomme ich etwas anderes.

So war es auch bei den drei erwähnten Anfangsbeispielen. Das Scheitern hat zu etwas geführt. Es war ein „erfolgreiches Scheitern“:

Der FC Bayern München hat nach drei Vizetiteln im Jahr 2012 in der Saison 2013 das sogenannte Triple geholt. Verein, Spieler und Trainer haben aus den Erfahrungen der Vorsaison gelernt und auf das neu gesteckte Ziel sämtliche Konzentration gebündelt. Dem Erfolg ging ein erfolgreiches Scheitern voraus.

Franz hat nach dem Scheitern seiner dritten Ehe durch Nachdenken und Beratung die Erkenntnis gewonnen, dass er für eine Beziehung nicht geeignet sei. Er wäre der geborene Single, habe sich aber durch elterliche, gesellschaftliche und kirchliche Erwartungen und Ansprüche immer wieder zu seiner angeblichen Bestimmung Ehemann „überreden“ lassen. Seit dieser Erkenntnis lebt er zufrieden mit sich und der Welt als Single und genießt sein Leben. Er hat Seiten an sich (wieder-)entdeckt, die er in den Partnerschaften nicht leben konnte. Er bezeichnet sich als glücklichen Menschen, dem nichts fehlt. Er meistere sein Leben jetzt erfolgreich. Dem Erfolg ging ein erfolgreiches Scheitern voraus.

Karin war nach dem dreimaligen Absagen der Musikhochschulen erst sehr enttäuscht, dann aber auch bald erleichtert. Sie hatte es schließlich versucht! Man konnte ihr nicht nachsagen, dass sie es sich leicht gemacht hätte. Nun konnte sie aber eine Ausbildung beginnen, die ihren persönlichen Neigungen entsprach. Nach einer Ausbildung im Gesundheitswesen und einem anschließenden Psychologiestudium ist sie heute eine erfolgreiche und glückliche Therapeutin. Dem Erfolg ging ein erfolgreiches Scheitern voraus.

Die Alternative: Weil Scheitern zum Leben gehört, ist es auch gut und richtig, sich Gedanken über Misserfolge zu machen und über die Art und Weise, mit dem Scheitern umzugehen. Dabei liegt das Augenmerk allerdings sehr stark auf dem Misserfolg, also dem Negativen. Seit geraumer Zeit wird in der Therapieforschung festgestellt, dass es hilfreicher ist, den Focus auf das Positive, den Erfolg zu richten. Menschen lernen nicht allein durch Fehler, sie lernen vielmehr auch dadurch, dass ihnen etwas gelingt. Richtig gemacht! Es hat geklappt! So machen wir das wieder! Erfolg beflügelt.

Ein Student hatte von seiner Schulzeit her die mündlichen Prüfungen in schrecklicher Erinnerung. Er versuchte sie zu vermeiden, wo es nur ging. Selbst vor dem mündlichen Abitur konnte er sich drücken. Gegen Ende seines ersten Studiums kam er um eine ganze Reihe mündlicher Prüfungen nicht herum. Er wendete nun eine bestimmte Lerntechnik an, die ihm in den gefürchteten Situationen mehrere „sehr gut“ bescherten. Aus diesem Erfolg heraus wendete er diese Technik im zweiten Studium konsequent an und verfeinerte sie noch. So wurde aus der angstbesetzten mündlichen Prüfung fast ein Hobby. Aus der vermeintlichen Schwäche hatte er eine Stärke gemacht. Gelernt hat er es aber durch den unerwarteten Erfolg, welcher ihn ermutigte, in dieser Art weiter zu machen.

FACIT: Gut, wenn es Dir gelingt, Scheitern als Chance zu sehen. Besser, wenn es Dir gelingt, aus Erfolgen zu lernen. Wie immer es auch kommen mag: Wenn schon scheitern, dann bitte erfolgreich.

Leicht gekürzter Artikel von Matthias Dauenhauer
Original erschienen in der Zeitschrift: Adventisten heute, Ausgabe Sept. 2013 S.8-10
Online abrufbar unter: http://www.advent-verlag.de/cms/cms/upload/adventistenheute/AH-2013-09/index.html

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Wenn einschlafen so ein Thema ist

Ich habe vor kurzem etwas aufgenommen für Menschen, denen das Einschlafen nicht so leicht fällt. Das kann ja die unterschiedlichsten Ursachen haben. Manche grübeln lange über etwas. Andere sind einfach nur unruhig. Wenn die Schlafprobleme nicht Symptom einer Erkrankung sind, kann so eine Geschichte schon helfen, leichter in den Schlaf zu finden und diesen auch erholsamer zu erleben.

Und deswegen kommt jetzt eine Einschlafgeschichte:

https://www.dropbox.com/s/w7zsxudglw01xp0/Einschlafgeschichte.WMA

Ich wünsche allen eine gute Nacht.

(c) Ulrike Dauenhauer

Familie ist manchmal ganz schön schwer

Als meine heute erwachsenen Töchter noch kleiner waren, gab es bisweilen Streitereien, die mich sehr belastet haben. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die zwei sich regelrecht hassen. Das taten sie natürlich nicht. Und heute lieben sie sich, was sehr schön ist. Aber damals war es manchmal sehr schwer für mich auszuhalten, wie diese beiden Kinder ihre Beziehung gestalteten und wie sie damit das ganze Familienleben belasteten. Kinder haben ist eben eine echte Herausforderung. Wir haben immer versucht, den Frieden wieder herzustellen. Wir haben uns bemüht, miteinander eine Diskussions- und Konfliktkultur zu entwickeln und immer wieder Lösungen zu finden, um das gemeinsame Leben für alle so angenehm wie möglich zu machen. Und in dieser Zeit ist ein Ritual entstanden, das uns eine Weile begleitet hat, bis wir wieder gemeinsam im Lot waren. Die gemeinsamen Familienmahlzeiten sind ein wichtiger Kommunikationsort der Familie und damit eben oft auch der Konfliktort. Deswegen haben wir unser Ritual dort eingebaut und haben vor jeder Mahlzeit diesen Text gemeinsam laut gelesen:

Familienfriede

Wir sind eine Familie, in der jeder den anderen liebt und achtet. Wir achten auf die Bedürfnisse des anderen und versuchen, im Rahmen unserer Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass jeder bekommt, was er braucht. Wir stehen für einander ein und unterstützen uns gegenseitig. Mit unserem Verhalten versuchen wir, für ein harmonisches und friedliches Miteinander zu sorgen.

 

Uns allen hat das geholfen, den Blick wieder in die richtige Richtung zu setzen. Mir hat es geholfen, ruhig zu bleiben und mit auszuhalten, dass es eben manchmal nicht so einfach ist, mit den Menschen aus zu kommen, mit denen man täglich zusammen lebt. Alle haben wir dabei gelernt, jeder das, was er eben zu lernen hatte. Und heute freue ich mich, wenn ich meine Töchter erlebe und wie sie nun mit Konflikten, eigenen Bedürfnissen und Beziehungsgestaltung umgehen können.