7 Wochen ohne …

Gestern, am Aschermittwoch, begann die Fastenzeit. Sie soll an das Fasten Jesu in der Wüste erinnern und zugleich auf das Osterfest vorbereiten. Mit dem Aschermittwoch geht auch die närrische Zeit zu Ende, in der in vielerlei Hinsicht über die Stränge geschlagen wurde. Nun beginnt die Zeit des Verzichtens, der Buße und der Reue. „Fasten in Sack und Asche“ geht auf Gepflogenheiten des Alten Testamentes zurück (z.B. Dan. 9:3). Fasten, Verzichten oder abstinent Leben sind über Jahrhunderte ausgeübte Traditionen.

Kleiner, witziger Exkurs: Wie definiert man einen Abstinenzler? Ein Abstinenzler ist eine Person, die vom Verzichten nicht genug bekommen kann. J

Die Aktion „7 Wochen ohne“ geht auf das Jahr 1983 zurück. Sie wurde von der Evangelischen Kirche ins Leben gerufen und hat seit 1989 auch bestimmte Themen, denen man sich anschließen kann: Verzicht auf bestimmte Lebensmittel, Verzicht auf Medien, Verzicht auf Geiz oder Verzicht auf Ausreden. Für 2015 wurde das Motto „Du bist schön – 7 Wochen ohne Runtermachen“ ausgerufen. Es lädt zur Selbstakzeptanz ein, in einer Gesellschaft, in welcher viel Zeit, Energie und Geld für die Selbstoptimierung aufgewendet wird.

Laut Meinungsumfragen beteiligen sich jährlich ca. 3 Millionen Deutsche an dieser Aktion. Weitere 8 Millionen verzichten während der Fastenzeit ebenfalls auf bestimmte Nahrungs- oder Genussmittel. Fasten und Verzichten liegen also durchaus im Trend.

Wozu das Ganze? Die Enthaltsamkeit bringt heilsame „Unordnung“ in den Alltagstrott, bricht alte aber nicht immer gute Gewohnheiten auf und befreit von Zwängen. Das Verzichten schenkt die Chance, seine eigenen Werte zu überdenken und sein Leben neu auszurichten.

Verzichten ist wie Entrümpeln. Verzichten schafft Platz. Es gibt dadurch auch Raum für Neues, zumindest für neue Erfahrungen. „7 Wochen ohne“ ist so gesehen auch „7 Wochen mit“! Folgerichtig wurde von der SELK (= Selbständige Evangelisch Lutherische Kirche) eine gleichnamige Aktion ins Leben gerufen, die sich nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zur ursprünglichen Aktion versteht. Bei der Aktion der SELK geht es schwerpunktmäßig um die Rückbesinnung auf die Leidensgeschichte Jesu – eine theologische bzw. spirituelle Ausrichtung.

Ein weiterer Aspekt der Aktion liegt in der Solidarität. Diese Haltung drückt die Verbundenheit mit Menschen aus, die vom Schicksal benachteiligt sind.

7 Wochen ohne? Ich will hier nicht zu einem bestimmten Handeln oder Verzichten auffordern, sondern lediglich dazu ermutigen, über das Thema Konsum bzw. Konsumverzicht nachzudenken. Und ich finde es auch in Ordnung, wenn jemand zu dem Schluss kommt, sowieso schon auf Grund seiner Lebensumstände das ganze Jahr auf Vieles verzichten zu müssen, dann zu postulieren: Ich verzichte jetzt 7 Wochen auf das Verzichten.

© Matthias Dauenhauer

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