Perspektiven

Platz zum Denken

Da hat doch jemand was gedreht! Ja, habe ich. Natürlich wächst das Gras nicht seitlich. Aber ich fand diese Perspektive zum Spruch passend. Es gibt ja ganz unterschiedliche Arten, aus dem Rahmen zu fallen. Es muss gar nicht auf eine Art geschehen, die peinlich ist oder unangenehm berührend für andere (oder mich selbst). Manchmal genügen einfache Dinge, um einer Situation eine neue Richtung und meinem Leben mehr Raum zu geben. Es ist ja nicht so, dass der Raum nicht da wäre. Nur trauen wir uns allzu oft nicht, uns diesen Raum auch zu nehmen.
Bisweilen schränkt es uns ganz enorm ein, was wir darüber denken, welchen Raum wir haben.

Im tiefen Grün Polens wurde mir das auch wieder deutlich. Ich war in einem anderen als dem gewohnten Rahmen. Und schon gingen meine Gedanken andere Wege. Während ich mit dem Paddel das Wasser durchpflügte, waren meine Gedanken in ihren ganz eigenen Gewässern unterwegs. Und die Natur bot mir viele Beispiele, über Dinge neu zu denken. Vielleicht ist der Rahmen, aus dem wir gelegentlich fallen sollten, einfach der Alltag, in dem uns vieles gefangen hält. Dazu braucht es nicht unbedingt lange Reisen von vielen Kilometern. Manchmal reicht schon ein Schritt in den nächsten Wald oder Park oder einfach vor die Haustür.

Autor: Ulrike Dauenhauer; http://www.doppelpunkt-praxis.de

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Entspannt gleiten

trudle durch die Welt

Kajak fahren bedeutet nicht zwangsläufig immer auch steuern. Man kann sich auch einfach mal treiben, vom Wasser tragen lassen. Auf entsprechenden Abschnitten des Flusses ist es sehr ruhig und wir können uns das gönnen. Ja gönnen. Im dem Wissen, welche Gesamtstrecke vor uns liegt, können wir es uns dennoch gönnen, uns gelegentlich mal treiben zu lassen. Uns einmal für einige Momente dem Fluss und seinem Tempo überlassen. Ich finde diese Momente sehr kostbar, weil ich mich ganz auf den Moment einlassen kann, weil ich dann alle Sinne darauf ausrichten kann, was sich mir gerade bietet, wahrzunehmen. Im Außen und im Innen.
Im Alltag sehen wir viel zu wenig diese Momente, wo es uns erlaubt ist, uns treiben zu lassen, mal wirklich nur zu sein, wenigstens für zwei oder drei Atemzüge. Das klingt nach wenig. Aber hier mal zwei Atemzüge und da mal drei, das bringt auf Dauer schon mehr Ruhe rein. Das ist eine der – wiedergewonnenen – Erkenntnisse, die ich mitgebracht habe.
Auch unser Lebensfluss bietet solche Abschnitte, in denen es möglich ist, nur zu sein. Und es ist durchaus möglich, dass sich uns neue Einsichten bieten, wenn wir uns auch da ab und zu mal dem Strom überlassen und nicht immer nur selbst lenken wollen. Es lohnt sich, diese Abschnitte und Momente neu zu entdecken und dann zu genießen.

Autor: Ulrike Dauenhauer – http://www.doppelpunkt-praxis.de

Wir kommen wohin wir schauen

Was wir im Auge haben

In dieser Gegend waren wir also unterwegs. Grün, Wasser, Flüsse , viele Seen, Bäume, Schilf und so weiter. Nicht immer war der Weg klar zu sehen. Wiederholt führte uns unser Weg ins Schilf, wo ein Ortsfremder den Weg nicht gesehen hätte. Aber wir hatten einen Guide. Er kennt die Gegend und weiß, wo der Fluss durchs Schilf weiter geht, wo eine kurze Strecke durchs Schilf uns in einen neuen See bringt. Wie oft hätte ich ohne ihn nicht gesehen, wohin es gehen sollte. Er fuhr meist voran. Steuerte vom See zielsicher aufs Schilf zu. Mein Blick war auf ihn geheftet. Was wollte er da im Schilf, fragte ich mich beim ersten Mal. Aber er kannte sich in dieser Gegend aus, wie in seiner Westentasche konnte man meinen.
In den ersten Jahren sah ich die Durchgänge in das nächste Gewässer nicht. Aber im Vertrauen auf ihn paddelte ich tüchtig mit ins Schilf, kämpfte mich gegebenenfalls durch und fand – unter seiner Führung – tatsächlich den neuen See oder Fluss. Neue zauberhafte Welten eröffneten sich meinem Blick. Immer wieder war ich überrascht, wie anders es oft weiter ging.
Ich lernte zu schauen, lernte neues Sehen in einer mir völlig fremden Umgebung. Immerhin bin ich ein Großstadtkind und es gewohnt, mich völlig anders zu orientieren.
Und während ich diese neue Orientierung im Außen lernte, wurde mir immer klarer, wie mich mein Blick lenkt. Solange ich nur auf den Fluss schaute, sah ich nicht, wo die versteckten Abzweigungen waren. Es galt, den Blick zu weiten, dahinter zu schauen und zu erahnen, welche Möglichkeiten dort liegen könnten. Außen und innen.

Autor: Ulrike Dauenhauer, http://www.doppelpunkt-praxis.de

Zurück vom Urlaub

Zwei schöne und reiche Wochen liegen hinter uns. Zunächst eine intensive Fortbildungswoche mit vielen interessanten Inhalten und wertvollen neuen Aspekten.
Dann eine Woche Kajaktour im äußersten Osten Polens. Diese zweite Woche war – wieder – sehr besonders. Abgeschieden von allem, was unseren Alltag ausmacht, komme ich zur Ruhe, tanke in der Stille der Natur dort auf, denke ich anders, erleben ich die Wesentlichen Dinge des Alltags wieder ganz konkret: Wasser kochen, Essen machen, Schlafstatt einrichten. Es geht eine Woche ohne Handy, WC, Dusche, Kosmetik, TV, PC, Bücher, mit sehr relativer Hygiene unter einfachsten Bedingungen zu leben. All die Dinge, die mir im Alltag so wichtig erscheinen, sind hier plötzlich unwichtig. Sichtweisen kehren sich um, Wertigkeiten verschieben sich. Das ist dann jedesmal besonders spannend, wenn ich wieder daheim bin und die Dinge wieder ihren gewohnten Platz in meinem Leben und Denken finden. Und doch ist dieser gewohnte Platz – vorübergehend – anders. Ich schätze die Dusche sehr, wenn ich eine Woche nur im kalten Fluss gebadet habe. Wie wunderbar ist eine Toilette, wenn man eine Zeit lang darauf verzichtet hat. Vieles wird wieder schätzenswert in unserem so reichen Alltag, wo wir so gut eingerichtet sind und doch oft klagen. Deswegen tut es mir immer wieder gut, dieses andere Leben zu erleben und mir wieder neu bewusst zu machen, wie gut ich es habe, wie reich ich bin, wie viel Grund ich habe, dankbar zu sein für dieses wunderbare Leben.

schönste Momente

Autor: Ulrike Dauenhauer

Urlaub!

Die letzten Monate hier waren recht rasant. Deswegen nehmen wir jetzt mal Tempo raus. Konkret: Wir machen Urlaub. Die Praxis ist geschlossen vom 04.06.15 bis 21.06.15
Danach gehts mit frischer Kraft weiter

Geschwindigkeit erhöhen

Da machen wir nicht Urlaub. In Las Vegas waren wir schon.

Zeitgenuss

Ich habe sehr viel Freude an Sprache und ihren Möglichkeiten. Deswegen freue ich mich auch meist über neue Worte, die ich entdecke. Meine heutige Entdeckung heißt „Zeitgenuss“. Welch schönes Wort. Davon will ich mehr.

Schon vor Jahren habe ich mir vorgenommen, unliebsame Arbeiten wenn möglich mit Freude zu verrichten. Dann sind diese Tätigkeiten nicht mehr ganz so widerlich und die dafür benötigte Zeit kommt mir auch nicht so lang vor. Also mit Spaß dran. Es ist meine Entscheidung, wie ich die Dinge tun will, die ich tun muss.
Dann gibt es natürlich Hobbys, also Dinge, die wir gern tun. Und da sprechen viele Menschen von einem Zeitvertreib. Als ob wir die Zeit wirklich vertreiben könnten. Geht natürlich nicht, ist klar. Aber ich kann Zeit erleben. Ganz unterschiedlich. Sie kann mir unendlich lang vorkommen (z.B. bei unliebsamen Tätigkeiten) oder sehr kurz. Die Zeit erlebe ich in aller Regel nicht als schön, aber das, was ich in der Zeit erlebe. Und so kann ich die Zeit, die ich auf etwas verwende, genießen. Also Zeitgenuss schaffen. Ja, schaffen. Weil ich mich bewusst dafür entscheide, sie zu genießen.
Ich will also keine Zeit mehr vertreiben, sondern sie genießen. Auf in den nächsten Zeitgenuss.

Zeitgenuss

Autor: Ulrike Dauenhauer – http://www.doppelpunkt-praxis.de