Vertrauen – Misstrauen

Vertrauen - Misstrauen

Beziehungen leben von Vertrauen, das man zu einander hat. Vertrauensbruch ist auch vielfach die tiefste Verletzung, die eine Beziehung erfahren kann. Bisweilen heilen solche Brüche nicht mehr, das ist tragisch.
Aber wie kommt es eigentlich dazu, dass mir jemand vertraut? Sicher sind es einerseits verbale Botschaften, die ich aussende, dann aber auch meine Körpersprache und meine Auftreten. Erfahrungen mit dem anderen sind nicht immer als Voraussetzung möglich. Manchmal lernen wir jemanden gerade erst kennen und die Situation erfordert es, dass ich ihm oder ihr schnell vertraue. Da kann ich auf keine gemeinsame Geschichte aufbauen. Vertrauen entsteht, in dem einer von beiden einen Schritt geht. Dieser Schritt kann nicht gemeinsam gegangen werden, sondern einer muss diesen ersten Schritt tun, der in diesem Fall heißt: Vertrauen schenken! Wenn ich möchte, dass man mir vertraut, werde ich es deutlich leichter haben, wenn ich mich entschließe, den ersten Schritt zu tun und Vertrauen auf den anderen zu wagen. Das ist ein wirkliches Wagnis. Immer. Denn ich kenne niemanden bis ins Letzte. Und wir alle kennen aus den Medien – oder womöglich sogar aus eigener Erfahrung – Geschichten, wo der Mensch, der einem am nächsten Stand, das in ihn gesetzte Vertrauen gebrochen hat. Also bleibt es ein Wagnis.
Nach solchen schmerzlichen Erfahrungen fällt es schwer, wieder Vertrauen zu geben. Aber es bleibt mir nichts anderes übrig, wenn ich wieder Vertrauen erleben will, beim anderen und bei mir selbst. Ich kann nicht in einer neutralen Haltung verharren und hoffen, dass Vertrauen wieder wächst. Wenn mein Vertrauen von jemand anderem missbraucht wurde, misstraue ich in aller Regel auch mir selbst. Permanent plagen dann die Fragen, ob ich es nicht hätte ahnen können oder was mir hätte auffallen können. Ich muss also lernen, mir und meinen Wahrnehmungen wieder zu vertrauen. Das wird nicht frei von Risiken bleiben, aber es ist der einzige Weg, letztlich wieder Vertrauen zu finden. Erst einmal in mich selbst, dann in den anderen.

Autor: Ulrike Dauenhauer – http://www.doppelpunkt-praxis.de

6 Gedanken zu „Vertrauen – Misstrauen

  1. Vertrauen und Misstrauen scheinen oft als Wertepaar unterwegs zu sein. Immer dann, wenn es um den Ausgleich oder die Einheit einer Sachlichkeit geht.

    Vertrauen in Beziehungen funktioniert immer mit oder durch einen Vertrauensvorschuss, also eine Seite gibt vor und gestaltet den Vertrauensvorschuss den die andere Seite annimmt. Im idealen Fall der Fälle sollte sich dieses Konto immer und zwar abwechselnd ausgleichen.

    Ist dem nicht so und eine Seite hat das Gefühl zu viel Vorschuss zu leisten, schlägt Vertrauen sehr schnell in sein tiefstes Gegenteil um – in Misstrauen und dann wird meistens ganz kompliziert.

    Persönliche Erlebnisse und Erfahrungen wirken stets unterstützend …

  2. Ja, Uwe, genau das meinte ich, dass immer einer erstmal Vorschuss geben muss. Anders kann es nicht gehen. Insofern hat es wenig Sinn, darauf zu warten, dass der andere eben diesen Schritt tut. Und dann kann ich – hoffentlich – die Erfahrung machen, dass etwas zurück kommt und das Ganze sich gut entwickelt und mir die weiteren, ermutigenden Erfahrungen ermöglicht.

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