Frieden machen

Jemandem entgegen kommen, heißt auch, die Waffen fallen lassen. www.doppelpunkt-praxis.de

Immer wieder mal kommt es vor, dass wir mit jemanden in Konflikt geraten sind. Irgendetwas ist geschehen, jemand hat etwas gesagt oder getan und schon ist da Streit. Wenn mir das passiert, geht es mir schlecht, sehr schlecht. Ich mag keinen Unfrieden. Das setzt mir emotional sehr zu, umso mehr, je näher mir der andere steht. Also möchte ich wieder Frieden haben. Das ist aber gar nicht immer so einfach zu erreichen.
Manchmal gelingt es mir, den berühmten ersten Schritt zu tun, manchmal tut es aber auch der andere. Es ist letztlich nicht wichtig, wer den ersten Schritt tut. Wichtig ist, WIE er es tut. Wenn ich mit dem anderen Frieden machen will, ist es wichtig, dass ich in mir Frieden gefunden habe. Es darf noch das Gefühl des Verletzseins da sein. Das vergeht ja nicht immer so schnell. Aber zum Frieden gehört, dass ich dem anderen jetzt nicht wieder eins auswischen will, dass ich nicht wieder ein hartes Wort sage. Ich habe ja viele Waffen in Worten und Gesten, mit denen ich an diesem Punkt den Frieden verhindern kann. Ich muss bereit sein, zu vergeben, was war. Da Vergeben ein längerer Prozess sein kann, der nicht mit einem Wort oder einer Geste erledigt sein muss, reicht die Bereitschaft zu vergeben. Wenn ich grundsätzlich bereit bin, kann ich anfangen zu vergeben. Und vergeben ist nicht gleichbedeutend mit vergessen. Was war, wird durch Vergebung nicht ungeschehen gemacht und auch nicht klein geredet. Aber der Vorfall bekommt eine andere Bedeutung und hat ab da nicht mehr die Kraft, mich weiter zu zerstören.

Wenn ich derjenige bin, der den ersten Schritt tut, möchte ich auf keinen Fall wieder „Schläge“ bekommen, weder verbal noch nonverbal. Es ist ein Schritt, der mich Mut kostet, bei dem ich mich nochmal besonders verletzlich fühle. Wenn ich mir das recht überlege, spüre ich, wie wichtig es mir da ist, dass der andere mir dann auch friedlich begegnet.
Das macht es mir leichter, innerlich auch meine Waffen fallen zu lassen, das heißt alles zu lassen, was dann doch wieder zur Fortsetzung der Auseinandersetzung führt, wo ich dem anderen doch nochmal eine „rein würge“. Keine bissigen Bemerkungen jetzt, keine bösen Blicke. Das braucht Mut und Vertrauen. Aber es lohnt sich, denn nur, wenn ich im Frieden bin, kann ich meinen Alltag wirklich leisten, kann ich den Anforderungen und mir selbst gerecht werden, weil keine Energie in einen destruktiven Prozess geht.

Autor: Ulrike Dauenhauer – http://www.doppelpunkt-praxis.de

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