Aufgeben oder genug haben?

Es ist wichtig, den Unterschied zu kennen zwischen "ich gebe auf" und "ich habe genug". - www.doppelpunkt-praxis.de

Manchmal sehen Dinge sehr ähnlich aus, sind aber doch verschieden. So kann es auch mit Handlungen sein. Es kann von außen den Anschein haben, als wären sie gleich. Dennoch können sich diese zwei Handlungen im Innern des Akteurs deutlich voneinander unterscheiden.

In unserer Leistungsgesellschaft gibt es Menschen, die finden es ganz und gar nicht gut, wenn jemand aufgibt. Und es gibt Menschen, die gern sich ein Urteil darüber bilden, was andere tun und warum sie das wohl getan haben etc.
Nun ist es aber doch möglich, dass zum Beispiel jemand mit Leistungssport aufhört, weil sie/er es lange genug gemacht hat und nicht mehr so toll findet. Die Intention seiner Handlung kann von außen niemand sehen. Als Außenstehender kann ich nur wahrnehmen, dass jemand etwas beendet. Ohne weitere Information weiß ich nicht, ob diese Person – vielleicht frustriert – aufgibt oder einfach aufhört.

Aus Angst vor den Gedanken und vor allem den Urteilen anderer – schlimm, dass Menschen davor Angst haben müssen – trauen sich manche Menschen nicht, mit etwas aufzuhören. Dabei wäre es gar kein Aufgeben, sondern ein Aufhören, weil es eben einfach genug ist.

Auch hier zeigt sich wieder, wie wichtig es ist, über andere nicht zu urteilen. Und in meinen Augen gleich wichtig ist es, für sich selbst ehrlich zu sein und anzuerkennen, dass ich aufhören darf, wenn es genug ist

Autor: Ulrike Dauenhauer – Praxis Doppelpunkt

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Stille

Die größte Offenbarung ist die Stille. (Laotse) - www.doppelpunkt-praxis.de

Vor Jahren entdeckte ich erstmals eine Stille, die mir bis dahin fremd war. Ich war in Polen, ganz im Osten, inmitten der Natur, die dort sehr ursprünglich und wenig bevölkert ist. Dort saß ich an einem großen See (dem Wigry-See Wigry Nationalpark) und schaute auf die Wasserfläche. Hinter mir war Wald, sodass ich nur zwei Perspektiven hatte: Auf die Wasserfläche vor mir oder an den Bäumen in meinem Rücken senkrecht nach oben.
Auf dem See war nichts, keine Menschen. Plötzlich hörte ich ein mir bis dahin fremdes Geräusch, das ich nicht zuordnen konnte und für das ich zunächst keine Erklärung hatte. Es war erst sehr leise, wurde dann etwas lauter (was immer noch recht leise war). Schließlich nahm ich einen Schwarm Kormorane wahr, der auf den See zuflog. Ich hatte das Schlagen der Flügel gehört.

Diese Erfahrung hat mich zutiefst beeindruckt und berührt. Nirgends hatte ich je eine solche Stille erlebt, die erlaubte, den Flügelschlag mehrerer Vögel zu hören und dies noch ehe ich diese sehen konnte. Ich hatte überhaupt noch nie das Geräusch der Flügel von Vögeln in der Luft gehört. Das war also Stille, davor und danach gleich wieder.
Dieser Moment ermöglichte ganz neue Erfahrungen.

Es gibt sicher viele Wege, Stille zu finden. Auch mir sind inzwischen verschiedene Möglichkeiten bekannt. In unserer eher lauten Welt sind diese Momente der Stille kostbar. Ich muss gar nicht weit reisen, um sie erfahren zu können. Und es ist mitnichten, so, dass in der Stille nichts wäre. Ganz im Gegenteil, sie ist reich an Möglichkeiten und ein großer Erfahrungsraum, den es zu entdecken lohnt.

Welche Erfahrungen mit Stille hast du?

Autor: Ulrike Dauenhauer – Praxis Doppelpunkt