Brandnacht in Darmstadt

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9/11 Elfter September 1944

Kürzlich war ich zum Klassentreffen in Darmstadt: 40 Jahre Abi. Daran erkennt man, dass man älter wird. Oder auch daran, dass man sich seine ehemaligen Klassenkameraden genauer anschaut. Bei sich selbst merkt man den Alterungsprozess nicht so sehr.

Einer unserer ehemaligen Lehrer hatte für uns eine bilinguale Führung durch Darmstadt vorbereitet: deutsch und hessisch. Viele unserer Klassenkameraden stammten nicht aus Darmstadt, sondern kamen aus allen Teilen der damaligen Bundesrepublik. Der Besuch der Internatsschule am Rande eines Vorortes trug nicht dazu bei, die ehemalige Residenzstadt näher kennen zu lernen. So war diese geführte Tour Jahrzehnte später informativ, humorvoll und nachdenklich zugleich.

Die meisten von uns wussten z.B. nicht, dass Darmstadt ein 9/11 erlebt hat. Es war die Brandnacht vom 11. auf den 12. September 1944. Ein Geschwader der Britischen Air Force legte 5 Minuten vor Mitternacht mit 234 Bombern die Stadt in Schutt und Asche. 99% der Innenstadt wurde dabei zerstört – sprichwörtlich ruiniert.
Nicht nur nach heutigen Maßstäben war dies ein Akt der Grausamkeit an der Zivilbevölkerung und somit ein Kriegsverbrechen. Etwa 11.500 Menschen sollen allein in dieser Nacht den Tod gefunden haben. Jedes fünfte Opfer war ein Kind!

Ähnlich wie bei der berühmten Gedächtniskirche in Berlin stehen die Reste einer Kapelle als Mahnmal an das damalige Geschehen. Jährlich gedenkt man in einer kleinen Prozession dieses schrecklichen Ereignisses.
Eine Bronzestatue zeigt einen gebeugten, vor Schmerz verzerrten Körper, der in die Knie geht. Davor ist im Boden ein Spruch eingelassen, den Karl Krolow, ein deutscher Schriftsteller, der 1999 in Darmstadt verstarb, formuliert hat:

In Deutschlands dunkelster Zeit
gekrümmt von der Macht und im Leid
Ohne Hoffnung doch hoffnungsbereit
Für den Frieden in unserer Zeit.

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Dass Gewalt zu Gewalt führt, zeigt die Geschichte mannigfach. Aber die Geschichte lehrt uns auch, dass der Mensch aus der Geschichte nicht lernt. Auch heute noch lassen die Mächte in Ost und West ihre Muskeln spielen, halten Manöver ab, im Glauben, damit den vermeintlichen Gegner einschüchtern zu können. In Nord und Süd gibt es Machthaber, die bereit sind, ihre Macht auszuspielen: Intoleranz, Unterdrückung, Folter, Todesstrafe. Aber davor steht die Gewaltbereitschaft, die Bereitschaft, mit Gewalt politische und persönliche Interessen durchzusetzen, notfalls auch prophylaktisch.

Der aufstrebende Nationalismus in Europa und anderswo sind Vorboten einer Zukunft, die wieder wie damals schon Wind sät. Ich hoffe, die Ernte nicht mehr miterleben zu müssen.

© Matthias Dauenhauer – Praxis Doppelpunkt

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Ende vom Streit

Nichts ist häufiger, als dass am Ende eines Streits beide Gegner um die Wette Unsinn reden (Ferdinando Galiani) -www.doppelpunkt-praxis.de

Wer kennt das nicht, Streit? Sicher hat jeder von uns schon einmal Streit erlebt. Manchmal ist es ein kleiner Streit, der schnell beigelegt ist. Manchmal wird daraus eine über Jahre und Jahrzehnte dauernde Familienfehde.

Je länger ein Streit dauert, umso absurder wird er meist. Mit zunehmender Länge der Auseinandersetzung kommt auch unsere Erinnerung, wer wann was gesagt oder getan hat, zum Tragen. Und unsere Erinnerung kann uns leicht täuschen. Nur neigen wir alle zu gern dazu, unseren eigenen Erinnerungen zu trauen, als wären sie Video-Aufzeichnungen in unserem Gehirn, die gegen jede Änderung oder Überarbeitung immun sei. Aber genau das stimmt nicht. Wir verändern unsere Erinnerungen permanent. Jede neue Erfahrung, die wir machen, führt zu einer neuen Bewertung bereits in der Vergangenheit erlebter Dinge. Und diese neu Bewertung des bereits Vergangenen kommt als Erinnerung in uns zum Vorschein, die uns glauben machen will, es sei alles anders gewesen (oder es stellt sich nun, nachdem weitere Informationen hinzugekommen sind, völlig anders dar).

Dann wird außer über das eigentliche Streitthema auch darüber gestritten, was bisher war und wer was gesagt hat und wie er es gemeint hat. Auch das meinen wir gern besser zu wissen, was der andere gemeint hat. Zwar handelt es sich dabei um eine Vermutung oder Interpretation. Aber wir verhalten und sprechen oft so, als wären wir da besser darüber informiert, was gemeint war, als unser Gegenüber, das gesprochen oder gehandelt hat.

Unser damit immer verworrener werdendes Bild des aktuellen Streites – veränderte Erinnerungen, Überzeugungen über den anderen und seine Motivation bzw. über Bedeutung von Gesagtem und unsere damit verbundene Selbstsicherheit hinsichtlich der „Fakten“ des Streits – macht eine Lösung immer schwieriger. Deswegen reden am Ende oft beide Seiten nur noch Unsinn. Wenn auch hier wieder nur der Unsinn der Gegenseite wahrgenommen wird – der selbst fabrizierte Unsinn jedoch als solcher nicht gesehen wird – droht eine weitere Eskalation. Wir sind vom Frieden noch weiter entfernt als vorher.

Hier ein paar Lösungsvorschläge:
– Bleibe selbst fair.
– Hinterfrage deine eigenen Erklärungen des Streits und erhebe sie nicht zur einzigen Wahrheit.
– Glaube dem anderen, was er sagt.
– Hinterfrage weniger was der andere sagt und interpretiere weniger wie er es sagt.
– Frage nach, wenn dir seltsam vorkommt, was der andere sagt. Frage nach, bis du verstanden hast.
– Signalisiere, dass du um Verstehen bemüht bist und nicht nachfragst, um dem anderen dann das Wort im Munde zu verdrehen.
– Signalisiere, dass du die Sache mit ihm lösen willst und es dir nicht ums Gewinnen geht.
– Bleibe partnerschaftlich. Da hat gewinnen-wollen nichts zu suchen.

Autor: Ulrike Dauenhauer Praxis Doppelpunkt

App- Empfehlung

Das hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal eine App auf dem Blog empfehlen würde. Aber irgendwann ist immer das erste Mal. Hier also meine Empfehlung:

Critisim Simulator von Dr. Ben Furman

https://play.google.com/store/apps/details?id=com.benfurman.criticism&hl=de

Ben Furman ist ein finnischer Psychiater und Psychotherapeut und international anerkannter Experte für lösungsorientierte Therapie. Ich habe ihn in Seminaren persönlich kennenlernen dürfen und kann sagen, dass er ein sehr humorvoller, kenntnisreicher, warmherziger und effizient lehrender Mensch ist. Es ist ihm ein großes Anliegen, Lösungen aufzuzeigen für unterschiedliche Themenbereiche. Dazu hat er viel geforscht und auch veröffentlicht. Und er ist sehr freigebig und daran interessiert, dass seine Lösungen auch kostenfrei zu den Menschen kommen. Das finde ich eine ganz großartige Eigenschaft an ihm. Seine App ist kostenfrei im Appstore zu haben.

Ich habe mir diese App vor kurzem runtergeladen, als er mitteilte, dass sie zu haben ist. Neugierig habe ich mir dieses Tool angeschaut. Und ausprobiert.

Man wird zunächst aufgefordert, den Namen und das Geschlecht der Person anzugeben, der man etwas Unangenehmes oder eben Kritik mitteilen möchte. Diese Daten werden NICHT gespeichert. Sie dienen lediglich dazu, die Simulation so zu gestalten, dass ich als Nutzer ständig die Person im Blick behalte, für die ich mir hier einen Tipp holen möchte.

Anschließend folgen Fragen zum Problem, die teilweise mit Angaben aus einer vorgegebenen Liste, teilweise aber auch durch Freitext-Eingabe beantwortet werden. Am Ende des Prozesses kommt die Lösung, die wir vermutlich in bekannter – und meist wenig hilfreicher – Manier gefunden hätten. Danach geht es mit anderen Fragen weiter, die uns zu anderen Antworten führen – wieder aus Listen oder per Freitext-Eingabe. Und dabei kommt dann eine ganz andere, hilfreiche Lösung heraus. Mit diesem Vorschlag kann man nun in das Gespräch mit der betreffenden Person gehen und hat bessere Voraussetzungen, dass die Kritik vom Gegenüber auch verstanden, angenommen und umgesetzt wird und ohne die Beziehung dadurch mehr zu belasten als nötig. Ich finde das sehr gelungen und wirklich hilfreich.

Die Nachteile der App: Sie liegt nur in Englisch und Finnisch vor. Die Schrift ist sehr klein.

Weitere Informationen über Ben Furman findet man zum Beispiel hier:

http://www.benfurman.com/en/

http://de.wikipedia.org/wiki/Ben_Furman

Was nicht gesagt werden sollte

Oft schon haben mir Menschen von Streit erzählt, den sie hatten, von Auseinandersetzungen mit dem Partner oder der Partnerin, von Streit mit den Kindern oder mit sonstigen Mitmenschen. Dabei höre ich oft Dinge, die mich erschrecken. Da werden Sachen gesagt, die meiner Meinung nach besser nicht gesagt würden.

Sicher, auch ich ärgere mich bisweilen über meinen Mann. Ja, dabei kommt es auch vor, dass ich in meinen ärgerlichen oder verletzten Gedanken Worte verwende, die sehr abwertend und abschätzig sind, die ihn entwürdigen und sehr verletzen würden, wenn er sie hören könnte. Aber ich habe mir vorgenommen, diese Worte nicht über meine Lippen zu lassen. Ein gesprochenes Wort kann ich nicht mehr zurück nehmen. Und Worte können schlimme Verletzungen verursachen, die über lange Jahre nicht heilen. Sie können in der Beziehung immer für eine bestimmte Spannung sorgen, über alles einen bestimmten Film legen, durch den das Schöne mit Vorsicht genossen wird, wo ein liebes Wort oder Kompliment schnell mit einem „aber“ gehört wird, weil aus demselben Mund eben auch schon diese schlimmen, verletzenden Worte gekommen sind. Das ist dann nicht mehr umkehrbar. Und wie viele vergessen solche Worte nicht, nie?!

Ich denke, es gibt eine Art Liste an Wörtern und Formulierungen, die ich Menschen gegenüber nicht verwenden sollte, jedenfalls ganz sicher nicht Menschen gegenüber, die mir wichtig sind. Wertungen gehören für mich dazu, also so was wie „du bist doch ein echtes A….“. Denken erlaubt, aussprechen nicht! So ist meine Meinung.

Worte wirken, immer! Und ihre Wirkung ist nicht zu unterschätzen. Wir können mit Worten einen Menschen motivieren, schier Unmögliches zu leisten (schmerzhafte ärztliche Prozeduren durchhalten, gefährliche Situationen überstehen, Höchstleistung bringen im Sport oder woanders). Und wir können mit Worten verheerende Schäden anrichten. Das wird uns schnell bewusst, wenn jemand uns gegenüber mit Worten verletzend wird. Aber haben wir das auch im Blick, wenn wir anderen im Ärger begegnen? Wie oft erwarten wir, der andere solle doch. Und wir selbst?

Wie soll ich vor meinem Partner noch Respekt haben und ihn gar lieben, wenn er mich mit Schimpfwörtern, Beleidigungen und Herabsetzungen traktiert? Kann ich erwarten, dass ich noch geliebt und geachtet werde – was mir sicher wichtig ist – wenn ich meinen Partner so tituliere?

Oft denke ich in meiner Arbeit, dass es in Beziehungen besser aussähe, wenn beide Seiten mehr Sorgfalt darauf legen würden, was sie dem anderen sagen. Ich meine nicht, dass ich alles erdulden muss in einer Beziehung, dass ich Ärger immer runter schlucken sollte. Aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, auf diesen Ärger zu reagieren. Und unter diesen Möglichkeiten gibt es solche, die noch respektvoll sind und dem anderen seine Lebensmöglichkeit und Würde lassen. Dazu ist es manchmal hilfreich, im ersten Moment doch zu schweigen, den spontanen Zorn bei sich zu behalten und mit etwas Abstand die Worte zu wählen, mit denen ich dem anderen sagen kann, dass es nicht ok war, was er/sie getan oder gelassen hat. Es darf ausgesprochen werden, wenn ich unzufrieden bin oder der andere mich ärgert. Aber im Zorn gesprochene Beschimpfungen wirken lange nach und sollten deswegen unterbleiben.

© Ulrike Dauenhauer

Verhalten in Bedrohungssituationen

Jeder von uns kann in Situationen kommen, in denen er sich bedroht fühlt. Wir alle hoffen, von solchen Situationen verschont zu bleiben. Besser als nur diese Hoffnung ist es vielleicht, wenn man dann nicht ganz unvorbereitet ist. Das Kölner Trainingskollektiv gibt hier wichtige Hinweise: http://www.trainingskollektiv.de/ratschlaege.htm