Die innere Haltung

Engel können fliegen, weil sie sich selbst nicht so schwer nehmen. (aus Schottland) - www.doppelpunkt-praxis.de

Engel können fliegen, weil sie sich selbst nicht so schwer nehmen. (aus Schottland)

Über diesen Satz bin ich dieser Tage gestolpert, und er hat mich angesprochen. Ich begann zu überlegen, was mich genau daran angesprochen hat. Zum einen war es die Tatsache, dass zunächst einmal davon ausgegangen wird, dass es Engel gibt. Laut einer Umfrage von Forsa glauben 66% der Deutschen an Engel, während nur 64% an einen Gott glauben. Dann ist für den Sprecher des Satzes ganz offenbar klar, dass Engel fliegen können. Wer an Engel glaubt, wird vermutlich auch das bejahen. Irgendwie gehört das ja ganz klassisch ins Bild der Engel. Wozu sonst hätte ein Engel denn Flügel? Und schließlich werden Engel in aller Regel mit Flügeln abgebildet. Woran sonst würde man denn erkennen, dass dies ein Engel sein soll?
Aber nun die Erklärung, WARUM Engel fliegen können. Die gefällt mir, denn sie ist so gar nicht physikalisch. Es wird hier den Engeln unterstellt, dass ihr Flugvermögen etwas mit ihrer inneren Haltung zu tun hat. Das hat mir imponiert. Es hat mir vor allem deswegen imponiert, weil es die einzige Erklärung ist, die hier gegeben wird. Es scheint also, dass die innere Haltung die ganze Kunst daran ist. Toll!

Meine eigene innere Haltung kann ich beeinflussen. Hier ist eine zentrale Schaltstelle meiner Macht über mein Leben. Ich habe es in der Hand, was ich wie schwer oder leicht nehmen möchte.

Autor: Ulrike Dauenhauer – Praxis Doppelpunkt

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(K)Eine nette Geste …

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Ende August besuchten wir eine sehenswerte Vorstellung im Naturtheater Reutlingen. In der Pause entdeckte ich diverse Insekten, die an Wänden saßen, auf dem Boden krochen und auch umher flogen. Darunter waren auch sogenannte Stinkwanzen. Und vielleicht ist es kein Zufall, dass eine sich meinen Mittelfinger als Lande- bzw. Startbahn ausgesucht hat 😉

Der in die Höhe gestreckte Mittelfinger gilt in vielen Ländern als der Stinkefinger und ist eine beleidigende Geste. Ähnliches gilt für den Zeigefinger an der Stirn: „Einen Vogel zeigen“ ist in Deutschland sogar strafbar.
Die Zahl der Gesten, die mit Fingern oder Händen eine sprachliche Aussage unterstützen, ergänzen oder sogar ersetzen, ist enorm (eine ansehnliche Sammlung kann bei Wikipedia eingesehen werden). Darunter ist seit Cäsars Zeiten der Daumen, der nach oben oder unten gestreckt wird. Auch die Geste für einen Schwur, das Victory-Zeichen oder das Händefalten scheint unmissverständlich.

Aber es gilt aufzupassen: Die Formung eines „o“ mittels Daumen und Zeigefinger gilt in Deutschland, der Schweiz und in Österreich als Zeichen für „ok“. Auch für Taucher, die unter Wasser auf nonverbale Kommunikation angewiesen sind, steht diese Geste für „alles gut“. Es gibt jedoch auch Kulturen, in denen genau dieses Zeichen eine massive Beleidigung darstellt, denn in diesen Ländern wird das „o“ als Schließmuskel interpretiert: Arschloch. So wird aus einer gut gemeinten, netten Geste eine Beleidigung.

Gesten unterstützen die verbale Sprache und sind manchmal vielsagender als gesprochene Worte. Denn die Gestik wird normalerweise nicht kontrolliert, sondern entspringt dem Unbewussten, durchläuft im Gegensatz zur Sprache keinen Filter und wird unzensiert gezeigt. Gesten sind ehrlicher als Worte!

In manchen Kulturen – eher südlich der Alpen – wird wesentlich mehr gestikuliert als im „kühlen“ Norden. Darum sagt man auch scherzhaft: „Was ist ein Italiener, der beidseitig armamputiert ist? … Er ist sprachbehindert!“

Im erweiterten Sinne gibt es auch Gesten, die nicht mit Fingern oder Händen gezeigt werden. Es sind Handlungen, die man als nette Geste bezeichnet. Bei einer Einladung einen Wein, oder Knabbereien oder Blümchen mitbringen. Eine Kondolenzkarte bei einem Trauerfall schreiben. Mut zusprechen, wenn jemand eine Prüfung vor sich hat oder eine kleine Aufmerksamkeit überreichen, wenn er sie bestanden hat. Diese und zahlreiche andere Gelegenheiten bieten sich für eine nette Geste an.

Ich persönlich will in Zukunft wieder mehr darauf achten, solche netten Gesten zu zeigen.
© Matthias Dauenhauer

Traumwelt?

Wenn wir träumen, betreten wir eine Welt, die ganz und gar uns gehört. - www.doppelpunkt-praxis.de

Ich teile gern, egal ob mein Essen oder meine Freude. Aber ich finde es auch schön, dass es Dinge gibt, die ganz und gar mir gehören. Träume gehören dazu. Die sind meine eigene Welt, in der ich schalten und walten darf, wie ich will. Diese Möglichkeit macht es mir bisweilen auch leichter, mich an all die Regeln zu halten, die der Alltag hier so mit sich bringt. Und so brauche ich diese zwei Welten: die Wach-Welt, in der ich mich einordnen darf und kann, Halt finde in Regeln und mich auch daran reiben und ärgern kann und die Traum-Welt, in der ich bestimmen kann und Möglichkeiten habe, die weit über das hinaus gehen, was die Wachwelt mir zu ermöglichen scheint. Denn da wird es für mich spannend: Wenn ich mehr träume von dem, was ich im Leben will und wie ich leben will, desto mehr verändert sich die Wachwelt. Aus Träume können Möglichkeiten werden. Und dazu muss ich gar nicht unbedingt hart dafür arbeiten, sondern eben „nur“ träumen.
Ich finde nicht, dass Träume unsinnig sind, vor allem Tagträume und Wunschträume nicht. In ihnen liegen meine Möglichkeiten verborgen, die ich in der Wachwelt noch nicht entdeckt habe oder die ich mir noch nicht zutraue. So kann der Traum der Weg sein, Dinge im Alltag wirklich werden zu lassen. Dazu gibt es viele Wege und sicher auch jede Menge Bücher. Und es gibt auch schöne Angebote hier im Netz. Zum Beispiel Träume dich glücklich .

Wer also mehr über Träume und ihre Möglichkeiten erfahren mag, kann da mal schauen.

Autor: Ulrike Dauenhauer – Praxis Doppelpunkt

Stille

Die größte Offenbarung ist die Stille. (Laotse) - www.doppelpunkt-praxis.de

Vor Jahren entdeckte ich erstmals eine Stille, die mir bis dahin fremd war. Ich war in Polen, ganz im Osten, inmitten der Natur, die dort sehr ursprünglich und wenig bevölkert ist. Dort saß ich an einem großen See (dem Wigry-See Wigry Nationalpark) und schaute auf die Wasserfläche. Hinter mir war Wald, sodass ich nur zwei Perspektiven hatte: Auf die Wasserfläche vor mir oder an den Bäumen in meinem Rücken senkrecht nach oben.
Auf dem See war nichts, keine Menschen. Plötzlich hörte ich ein mir bis dahin fremdes Geräusch, das ich nicht zuordnen konnte und für das ich zunächst keine Erklärung hatte. Es war erst sehr leise, wurde dann etwas lauter (was immer noch recht leise war). Schließlich nahm ich einen Schwarm Kormorane wahr, der auf den See zuflog. Ich hatte das Schlagen der Flügel gehört.

Diese Erfahrung hat mich zutiefst beeindruckt und berührt. Nirgends hatte ich je eine solche Stille erlebt, die erlaubte, den Flügelschlag mehrerer Vögel zu hören und dies noch ehe ich diese sehen konnte. Ich hatte überhaupt noch nie das Geräusch der Flügel von Vögeln in der Luft gehört. Das war also Stille, davor und danach gleich wieder.
Dieser Moment ermöglichte ganz neue Erfahrungen.

Es gibt sicher viele Wege, Stille zu finden. Auch mir sind inzwischen verschiedene Möglichkeiten bekannt. In unserer eher lauten Welt sind diese Momente der Stille kostbar. Ich muss gar nicht weit reisen, um sie erfahren zu können. Und es ist mitnichten, so, dass in der Stille nichts wäre. Ganz im Gegenteil, sie ist reich an Möglichkeiten und ein großer Erfahrungsraum, den es zu entdecken lohnt.

Welche Erfahrungen mit Stille hast du?

Autor: Ulrike Dauenhauer – Praxis Doppelpunkt

Freude bleibt

Jede Freude ist ein Gewinn und bleibt es, auch wenn er noch so klein ist. - www.doppelpunkt-praxis.de

Als ich Kind war, hing bei uns im Flur ein Spruch: „Leuchtende Tage, nicht weinen, dass sie vergangen, sondern lächeln, dass sie gewesen.“ An diesem Spruch bin ich täglich mehrfach vorbei gelaufen. Das hat mich wohl geprägt.

In meinem Alltag erlebe ich häufig folgende (oder ähnliche) Situationen: Jemand erzählt mir von etwas Schlimmem oder Ärgerlichem oder Verletzendem, was er oder sie erlebt hat. Dieser Mensch ist dann in entsprechend gedrückter Stimmung. Das ist verständlich. Im weiteren Gesprächsverlauf wird dann aber oft deutlich, dass durch dieses negative Erlebnis viele positive Erlebnisse davor – womöglich noch mit derselben Person – nur noch negativ bewertet werden oder völlig nichtig sind. Das finde ich extrem schade.

Ich frage mich manchmal, warum es vielen Menschen so schwer fällt, das Gute in ihrem Leben das Gute sein zu lassen.

Menschen, die es genau umgekehrt machen, wirken auf mich – und andere – viel zufriedener, glücklicher, friedvoller. Diese Menschen gibt es ja auch, die Schweres erlebt haben und darüber den Blick auf das Gute behalten haben. Solche Menschen begeistern mich, sind mir Vorbild. Bei diesen Menschen gucke ich, wie das gehen könnte, leichter durchs Leben zu kommen, auch wenn es mal schlecht läuft.

Und die Richtung, in die wir schauen, beeinflusst nachhaltig die Richtung, in die wir uns bewegen. Wenn ich also auf die Freude schaue, werde ich mich auch mehr und mehr in Richtung Freude bewegen. Das ist doch eine schöne Perspektive.

Wenn es also mal wieder nicht so rund läuft, lohnt es sich, den Blick auf bereits erlebte Freuden zu richten, Dankbarkeit dafür zu üben, Randbedingungen dieser Freude deutlich in den Blick zu bekommen und die eigene – innere und äußere – Motorik entsprechend in Gang zu setzen.

Autor: Ulrike Dauenhauer – Praxis Doppelpunkt

Günstige Gelegenheiten

Der Ausgangspunkt für die großartigsten Unternehmungen liegt oft in kaum wahrnehmbaren Gelegenheiten. (Demosthenes) - www.doppelpunkt-praxis.de

Der Ausgangspunkt für die großartigsten Unternehmungen liegt oft in kaum wahrnehmbaren Gelegenheiten. (Demosthenes) – http://www.doppelpunkt-praxis.de

Eigentlich weiß ich ja, was eine Gelegenheit ist. Aber ich finde es immer wieder spannend, auch bei mir bekannten Wörtern und Dingen noch einmal zu schauen, was ich dazu finde. Im Wiktionary steht unter Gelegenheit: „Eine Gelegenheit ist eine günstige Aussicht, die im Gegensatz zu einem Risiko steht.“

Oder bei Wikipedia: „Eine Gelegenheit bezeichnet die Möglichkeit, ein bestimmtes Ereignis wahrzunehmen, das unter anderen Umständen oder zu anderen Zeitpunkten mit Nachteilen verbunden oder gar nicht mehr wahrnehmbar ist. Typisch bei diesem Begriff ist der seltene Charakter, den das in Kontext beschriebene Ereignis mit sich bringt.
Eine geläufige Redewendung lautet „Die Gelegenheit ist günstig“, was den einmaligen oder seltenen Augenblick des angepeilten Ereignisses weiter hervorhebt und somit häufig in der Werbebranche Verwendung findet.“

Für mich bietet das Leben permanent Gelegenheiten. Insofern sind die für mich gar nicht so selten. Es sind nur ständig verschiedene Themen für die sich mir Gelegenheiten bieten. Meist versuche ich, diese Momente dann zu nutzen, was einer inneren Grundhaltung entspricht. Das bedeutet nicht, dass ich da jeweils schaue, was ich für mich daraus machen kann. Vielmehr geht es mir darum, was ich Gutes aus der Situation für alle im Moment beteiligten machen kann. Und dann bin ich immer wieder überrascht, welche Effekte das nach sich zieht.
Ich bin mir sicher, dass wir jeden Tag hunderte, wenn nicht tausende kleine und allerkleinste Momente geschenkt bekommen, in denen wir etwas Gutes tun können. Weiter bin ich davon überzeugt, dass sich das positiv auswirkt, in meinem Leben und darüber hinaus.

Wichtig ist dabei für mich, diese Grundhaltung zu finden und aufrecht zu erhalten, dabei absichtslos zu sein – in dem Sinne, dass ich einen ganz konkreten Effekt für mich erzielen möchte.

Autor: Ulrike Dauenhauer – Praxis Doppelpunkt

Sprache der Musik

Musik ist die Sprache, die wir alle verstehen. - www.doppelpunkt-praxis.de

Wäre das nicht Wunder-voll, wenn alle Menschen eine Sprache sprächen? Wie schwer ist es oft schon, sich mit dem eigenen Partner zu verstehen. Selbst da gibt es ja Momente, in denen man denkt, der andere sei aus einer anderen Kultur.

Und nun kommen Menschen zu uns, die andere Sprachen sprechen, andere Musik hören und die uns damit bisweilen sehr fremd erscheinen. Ich wünsche uns allen, dass wir – vielleicht über die Sprache der Musik – im Neuen Jahr mehr Gemeinsames als Trennendes finden, sowohl mit denen, die uns besonders nah sind als auch mit denen, die wir noch nicht kennen.

Autor: Ulrike Dauenhauer