Falschmeldungen über Fake News

Stille Post – (k)ein Kinderspiel! Erwachsene spielen es viel besser und raffinierter. Und in echt, also ohne den entlarvenden und verharmlosenden Stempel: „Spiel“. Stille Post demonstriert, wie Gerüchte entstehen.
Gerüchte und Fake News (Falschmeldungen) sind sich ähnlich und doch nicht gleich! Gerüchte entstehen oft auch unabsichtlich. Durch ungenaues Zuhören, durch unabsichtliches Einpassen in eigene Denk- und Wahrnehmungsmuster.
Wer jedoch absichtlich und zielgerichtet falsche Informationen verbreitet, setzt nicht nur Gerüchte in Umlauf, sondern täuscht, lügt und fälscht die Wahrheit. Aus Fakten werden „alternative Fakten“. Wir Deutsche kennen dies aus unserer eigenen Geschichte, der Nazipropaganda, ziemlich gut. Neuerdings kann man dies auch jenseits des Atlantiks vermehrt beobachten.

Dabei gilt aber auch zu unterscheiden, dass manche Fake News so offensichtlich falsch sind, dass gar keine Betrugsabsicht vorliegt, sondern reine politische Satire. Während ich das schreibe, erhalte ich über Handy ein passendes Beispiel:

„Soeben berichtet CNN in einer Sondersendung von einem Zwischenfall in Washington: Im Weißen Haus ist gegen 7:00 Uhr Ortszeit ein Feuer ausgebrochen und zerstörte die Privatbibliothek von Donald Trump. Beide Bücher wurden restlos zerstört. Besonders tragisch: Das zweite Buch des neuen Präsidenten hatte er noch gar nicht fertig ausgemalt!“

Das kann man lustig finden, oder auch nicht. Es ist offensichtlich eine absichtliche, aber satirische Falschmeldung, welche durch ihre Übertreibung deutlich macht: diese Meldung darf nicht wörtlich genommen werden.
Schlimmer sind Nachrichten oder Informationen, die als Tatsachen verkauft werden. Vor wenigen Tagen „erfand“ die Beraterin des US-Präsidenten ein Massaker, um sein Dekret zum Einreisestopp für mehrere islamische Länder zu rechtfertigen. Details dazu hier: Kellyanne Conway erfindet Massaker

Wer sagt uns nun aber, ob nicht die Presse (in diesem Fall der „Spiegel“) absichtlich Falschmeldungen über Falschmeldungen druckt? Viele Menschen trauen den Medien nicht mehr und bezeichnen sie als Lügenpresse. Kaum einer dieser Zweifler hat dabei aber reflektiert, woher er seine Zweifel hat. Denn auch der Verdacht von Falschmeldungen in der etablierten Presse stammt aus irgendeinem Nachrichtenkanal. Warum eigentlich glaubt man dann diesem und zweifelt am anderen?
Nachdem ich am Dienstag vergangener Woche diesen Blog-Artikel begonnen hatte, wurde am Abend auf ZDF die Polit-Satire „Anstalt“ gesendet. Und als hätten deren Autoren meinen unfertigen Artikel bereits eingesehen, berichten sie über Falschmeldungen über Fake-News. Wer es nachträglich sehen möchte:
Die Anstalt vom 7. Februar 2017 (Ausschnitt) (bis 07.Mai 2017 verfügbar)

trump
Das obige Foto zeigt eine Meldung mit einem angeblichen Zitat von Donald Trump. Es passt ins Klischee und Vorurteil, welches viele von diesem Mann haben. Es ist aber ein erfundenes Zitat, eine Falschmeldung. Ich bin für einen Tag darauf reingefallen, habe dann recherchiert, mich korrigiert und auch alle, denen ich diese News zugeschickt hatte, diesbezüglich informiert.

Während es zu meiner Studienzeit eher noch das Problem gab, an Informationen zu gelangen, ist es heute im Zeitalter von Internet, Google, Facebook, WhatsApp und Wikipedia wesentlich schwieriger, die gefunden Informationen zu selektieren und zu bewerten. So kam vor wenigen Wochen eine angebliche Warnung der Kriminalpolizei vor einem Virus. Man möge umgehend so viel wie möglich Freunde warnen. Die Nachricht selbst war harmlos, sorgte aber für eine Flut unnötiger Mails und Nachrichten, also eine Art Kettenbrief, der sich lawinenartig ausbreitete. Da ist es kein Fehler, vor einem Weiterleiten im Internet einen Faktencheck zu machen. Dies macht kaum mehr Arbeit als das massenhafte Kopieren und Weiterleiten der (Falsch)meldung.

Ich persönlich mag Satire, die von Überzeichnung lebt und es auch mit der Wahrheit nicht immer genau nimmt – solange es klar ist, dass es sich um Satire handelt. Trotzdem möchte ich mich in Zukunft auch mehr darum bemühen, Informationen genauer zu hinterfragen, zu prüfen und einem Faktencheck zu unterziehen. Dazu gehört schon, dass Aussagen als persönliche Meinung gekennzeichnet sind oder die Formulierung „möglicherweise“, „eventuell“ oder „angeblich“ vorangestellt wird.

Nach meiner persönlichen Meinung wird dadurch möglicherweise eventuell die Verbreitung angeblicher Fakten eingeschränkt 😉

© Matthias Dauenhauer

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Vergiss Kränkungen, doch vergiss Freundlichkeiten nie. (Konfuzius)

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Es ist ja bekanntlich alles eine Frage der Perspektive. Auch Kränkungen können sich verändern, wenn wir die Perspektive darauf verändern. Das fällt nicht immer ganz leicht.

Ich habe in meinem Umfeld jemanden, den ich oft als mich kränkend erlebt hatte. Inzwischen überlege ich, ob nicht manche körperliche Krankheit in meinem Leben auch damit zusammen hing, dass ich mich habe kränken lassen. Lange habe ich verschiedene Wege gesucht, damit umzugehen. Mein Bestreben dabei war zunächst, die Beziehung zu diesem Menschen zu verbessern. Dieser Versuch lehrte mich zu erkennen, dass ich diese Beziehung so nicht ändern konnte, weil ich darin immer die innere Erwartung hatte, dass sich das Gegenüber ändern würde, wenn es mich verstünde. Mein Bemühen enthielt also die Annahme, der andere müsse sich (auch) ändern, damit etwas besser würde.

Nachdem mir klar geworden war, dass es immer scheitern würde, wenn ich meinen Anspruch auf Veränderung meines Gegenübers aufrechterhalten würde, änderte ich meine Strategie. Mein Fokus fiel darauf, meine Sicht auf mein Gegenüber zu verändern. Dies war doch auch ein Mensch mit Ängsten und Grenzen, jemand, der sicher Frieden wollte (in seinem Herzen und vermutlich auch mit mir), jemand, der nicht als böswilliges Wesen auf diese Welt gekommen war. Diese Person war sicher oft auch verletzt – vermutlich auch von mir – und sicher oft hilflos mir gegenüber – wie ich ja auch. Dieses Menschenkind war bestimmt oft auch unsicher und es hatte seine eigene Geschichte – mit Verletzungen und Verunsicherungen in seinem Leben – und handelte vermutlich oft so, wie es eben glaubte, handeln zu können (und auch in diesem Punkt gleichen wir uns).

Ich begann, die Kränkungen weniger als gegen mich persönlich zu sehen, als vielmehr als Ausdruck der Geschichte meines Gegenübers und seiner Grenzen und Hilflosigkeiten. Mir half diese Perspektive, mich weniger oft gekränkt zu erleben. Gleichzeitig konnte ich zunehmend gelassener auf die entsprechende Person reagieren. Und je mehr ich den Menschen mir gegenüber sah, desto mehr vergaß ich die Kränkungen, die stattgefunden hatten. Das war sehr heilsam für mich.

Damit ist die eine Seite der Empfehlung von Konfuzius sozusagen abgearbeitet. Die andere Seite ist jedoch nicht weniger wichtig. Und hierbei muss es nicht um Freundlichkeiten der Person gehen, von der wir uns als gekränkt erlebten. Es können ganz andere, völlig unabhängige Freundlichkeiten sein, die uns widerfahren, die es zu bewahren gilt (siehe Foto). Hilfreich ist, sich die kleinen schönen Momente, die Freundlichkeiten, die hellen Momente aufzuschreiben, um das Gedächtnis darin zu trainieren, diese überhaupt wahrzunehmen und ihnen in der Folge eine größere Wichtigkeit zu verleihen. Wir können lernen, unseren Fokus im Alltag zu verschieben von „ich werde ständig gekränkt“ zu „mir passieren wirklich schöne Dinge“. Diese schönen Dinge müssen keine großen Aktionen sein. Das kann die Geste sein, dass jemand die Fahrstuhltür auf hält, damit wir noch mitfahren können oder die Freundlichkeit, mit der wir beim Bäcker bedient worden sind. Es können Worte der Freundschaft oder Wertschätzung sein, die jemand für uns hat oder die Freude, die jemand zeigt, weil wir ihm etwas Schönes sagen.

Je mehr ich den Blick auf die Freundlichkeiten zu richten lerne, desto mehr solcher schönen Momente werde ich erleben.

Autor: Ulrike Dauenhauer

(K)Eine nette Geste …

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Ende August besuchten wir eine sehenswerte Vorstellung im Naturtheater Reutlingen. In der Pause entdeckte ich diverse Insekten, die an Wänden saßen, auf dem Boden krochen und auch umher flogen. Darunter waren auch sogenannte Stinkwanzen. Und vielleicht ist es kein Zufall, dass eine sich meinen Mittelfinger als Lande- bzw. Startbahn ausgesucht hat 😉

Der in die Höhe gestreckte Mittelfinger gilt in vielen Ländern als der Stinkefinger und ist eine beleidigende Geste. Ähnliches gilt für den Zeigefinger an der Stirn: „Einen Vogel zeigen“ ist in Deutschland sogar strafbar.
Die Zahl der Gesten, die mit Fingern oder Händen eine sprachliche Aussage unterstützen, ergänzen oder sogar ersetzen, ist enorm (eine ansehnliche Sammlung kann bei Wikipedia eingesehen werden). Darunter ist seit Cäsars Zeiten der Daumen, der nach oben oder unten gestreckt wird. Auch die Geste für einen Schwur, das Victory-Zeichen oder das Händefalten scheint unmissverständlich.

Aber es gilt aufzupassen: Die Formung eines „o“ mittels Daumen und Zeigefinger gilt in Deutschland, der Schweiz und in Österreich als Zeichen für „ok“. Auch für Taucher, die unter Wasser auf nonverbale Kommunikation angewiesen sind, steht diese Geste für „alles gut“. Es gibt jedoch auch Kulturen, in denen genau dieses Zeichen eine massive Beleidigung darstellt, denn in diesen Ländern wird das „o“ als Schließmuskel interpretiert: Arschloch. So wird aus einer gut gemeinten, netten Geste eine Beleidigung.

Gesten unterstützen die verbale Sprache und sind manchmal vielsagender als gesprochene Worte. Denn die Gestik wird normalerweise nicht kontrolliert, sondern entspringt dem Unbewussten, durchläuft im Gegensatz zur Sprache keinen Filter und wird unzensiert gezeigt. Gesten sind ehrlicher als Worte!

In manchen Kulturen – eher südlich der Alpen – wird wesentlich mehr gestikuliert als im „kühlen“ Norden. Darum sagt man auch scherzhaft: „Was ist ein Italiener, der beidseitig armamputiert ist? … Er ist sprachbehindert!“

Im erweiterten Sinne gibt es auch Gesten, die nicht mit Fingern oder Händen gezeigt werden. Es sind Handlungen, die man als nette Geste bezeichnet. Bei einer Einladung einen Wein, oder Knabbereien oder Blümchen mitbringen. Eine Kondolenzkarte bei einem Trauerfall schreiben. Mut zusprechen, wenn jemand eine Prüfung vor sich hat oder eine kleine Aufmerksamkeit überreichen, wenn er sie bestanden hat. Diese und zahlreiche andere Gelegenheiten bieten sich für eine nette Geste an.

Ich persönlich will in Zukunft wieder mehr darauf achten, solche netten Gesten zu zeigen.
© Matthias Dauenhauer

Tag der Reformation

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Am 31. Oktober war Reformationstag. In wenigen Bundesländern ist er gesetzlicher Feiertag. Wenn sich 2017 der Thesenanschlag zum 500sten Mal jährt, wird ausnahmsweise bundesweit Feiertag sein.
Luther hat mutig und letztlich unter Gefahr für Leib und Leben die damaligen kirchlichen Missstände angeprangert. Er wagte 1521 den Gang zum Reichstag nach Worms, um sich vor Kaiser und den päpstlichen Gesandten zu rechtfertigen. Ja, es wurde ihm freies Geleit zugestanden. Allerdings kannte Luther auch das Schicksal eines anderen Reformators: Jan Hus wurde ca 100 Jahre zuvor auch freies Geleit zum Konzil nach Konstanz versprochen. Er starb dort 1415 auf dem Scheiterhaufen …

Spannend ist für mich, wie sich Martin Luther verteidigt hatte. In seiner Rede beruft er sich nicht allein auf die Bibel, sondern auch auf die Vernunft:
„Wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde; denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, daß sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!“

Der Gelehrte Luther beruft sich auf die Gewissensfreiheit, die es ihm erlaubt, Autoritäten anzuzweifeln. Weder die Tradition an sich, weder die Zusammenkunft vieler Kardinäle und Theologen bei einem Konzil, noch das höchste Kirchenoberhaupt selbst, der Papst, ist in der Lage, den Schriftbeweis aus der Bibel aufzuwiegen. Aber nicht nur Bibeltexte sind ihm wichtig, sondern auch Gründe der Vernunft.

Kant sollte sehr viel später (1784) einmal formulieren „Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen!“ Er wurde zum Leitspruch der Aufklärung. Aber weniger bekannt ist eine Aussage des Dichters Horaz, der ca. 20 v.Chr. schon aufforderte: „Sapere aude!“ („Entschließe dich zur Einsicht!“ oder „Wage es, weise zu sein!“)

Für viele scheint der Verstand ein unüberbrückbarer Gegensatz zum christlichen Glauben zu sein. Durch die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung sei der Glaube gefährdet. Und dieser Glaube wird höher geachtet als die Vernunft. Wird der Glaube so aber nicht zu einem blinden Glauben? Und aus blindem Glauben schließlich blinder Gehorsam? Manchen Frommen ist der Mut abhandengekommen, selbst vernünftig nachzudenken.

Wissenschaft und Glaube sind eine sinnvolle Ergänzung. Und niemand hat es besser formuliert, als der Nobelpreisträger für Physik, Steven Weinberg: „Das Verdienst der Naturwissenschaften besteht nicht darin, dass sie es den Menschen unmöglich macht, gläubig zu sein, sondern, dass sie es ihnen möglich macht, ungläubig zu sein!“

Dank der Vernunft und des Verstandes, dank der Naturwissenschaften, die sich dieser bedienen, ist man nicht mehr gezwungen, alles zu glauben. Zweifeln ist erlaubt. Dass bereits der Reformator Luther lange vor dem Zeitalter der Aufklärung darauf hingewiesen hatte, ist mir erst dieses Jahr bewusst geworden.

Und ein letzter Gedanke: Wie kann ich den Reformationstag ganz persönlich nehmen? Ich könnte ihn jährlich zum Anlass nehmen, darüber nachzudenken, was ich in meinem persönlichen Leben verändern will. Was soll eine „neue Form“ erhalten? Was soll wieder in seinen ursprünglichen Sinn „zurück geformt“ werden? Vielleicht steckt in jedem von uns ein kleiner Martin Luther 😉

© Matthias Dauenhauer

Wenn sich Interessen widersprechen

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Es gibt nicht wenige Menschen, die ein Herz für Tiere besitzen. Sie beherbergen Katzen, importieren Straßenhunde aus Spanien, füttern Schwäne am See, hängen ein Vogelhäuschen im Garten auf oder aber sie füttern Tauben in der Stadt.
Dass dies nicht jedem gefällt, ist nachvollziehbar: Tauben in der Stadt machen viel Dreck, auf Dächern, Fenstersimsen und Denkmälern und manchmal treffen sie auch die Bluse oder die Glatze von Passanten, Anwohner fühlen sich auch vom Lärm und vom Geruch belästigt. Außerdem gelten die Tauben als die Ratten der Lüfte und als Verbreiter von Krankheiten und Parasiten.

Die einen wollen ihr berechtigtes Interesse nach Sauberkeit und Gesundheit durchsetzen, die anderen ihr Bedürfnis nach Tierschutz. Inzwischen haben die meisten Städte das Füttern von Tauben verboten. In Stuttgart können bei Zuwiderhandlungen empfindliche Strafen verhängt werden (siehe Foto).
Es gibt viele Bereiche, in denen sich die Bedürfnisse und Interessen von Menschen nicht decken, oder sogar gegensätzlich sind:

Beim Wetter wünscht sich der eine Regen für seinen Garten, der andere Sonnenschein für seine Freizeitaktivitäten.
Der Vermieter freut sich über steigende Mieten, weil er damit seine Rente aufbessert, der Mieter hofft auf jahrelange Mietpreisstabilität, um seine Kosten überschaubar zu halten.
Der eine freut sich über Zuwanderung und MultiKulti, der andere hat Angst vor Überfremdung.
Der Ehemann will den Urlaub am Meer verbringen, seine Frau will in den Bergen wandern. Die Beispiele kann man endlos fortsetzen.

Wie soll man miteinander umgehen, wenn sich die Wünsche nicht auf einen Nenner bringen lassen? Welche Kriterien kann man anwenden, wenn die Bedürfnisse diametral entgegen gesetzt sind?
Bei der Lösung ist Toleranz und Kreativität gefragt. Bei der Frage nach dem Urlaubsort könnte man von Jahr zu Jahr abwechseln (man könnte sogar getrennte Urlaube in Erwägung ziehen). Diese Lösung wäre für das Taubenfüttern nicht praktikabel: an geraden Datumstagen darf gefüttert werden, an ungeraden nicht. Eher geht es um Fragen nach den Konsequenzen. Sind Tauben vom Aussterben bedroht? Wie hoch ist das Krankheitsrisiko für die Tauben, andere Tiere oder gar Menschen. Wie ist es um das natürliche Gleichgewicht bestellt? usw.
Im Dialog zwischen Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen ist es wichtig, dem anderen erstmal aufmerksam zuzuhören. Was ist sein Anliegen? Aus welcher Motivation heraus trifft er seine Entscheidungen. Wovor hat er Angst? Was ist sein Ziel?

Aus dem Konfliktmanagement (nach dem Harvard-Konzept) kennt man folgendes Beispiel: Zwei Schwestern streiten sich um die letzte Orange in der Küche. Jeder will sie für sich haben. Eine mögliche Lösung könnte im Halbieren der Orange bestehen, aber in unserem Fall wären beide Schwester nicht glücklich. Die Mutter fragt nach, wofür sie die Orange verwenden möchten und es stellt sich heraus, dass die eine Tochter frisch gepressten Orangensaft trinken möchte, während die andere nur die Schale zur Verwendung in einem Kuchen zum Backen benötigt. Jetzt ist die Lösung einfach und führt zu optimaler Zufriedenheit bei den Beteiligten.
Nach der bewährten Harvard-Methode zum Umgang mit Konflikten trennt man zunächst zwischen der Person und der Sache. Dann konzentriert man sich auf die Interessen beider Parteien, sammelt mögliche Lösungen, die dem gegenseitigen Nutzen dienen. Abschließend sucht man gemeinsam nach möglichst „objektiven“ Kriterien, um die Lösung zu beurteilen und zu bewerten. Übrig bleibt ein Lösungsvorschlag, der für beide eine maximale Befriedigung der Bedürfnisse sichert.

Ich wünsche mir in unserer Gesellschaft mehr Sachlichkeit, Toleranz und Kreativität im Umgang mit gegensätzlichen Zielen.

© Matthias Dauenhauer – Praxis Doppelpunkt

Die Welt verändern

Wenn ich mich verändere, verändere ich die Welt. (Gloria Anzuldua) - www.doppelpunkt-praxis.de

Es gibt ja so einiges in dieser Welt, woran man sich stören kann. Umweltverschmutzung, Politik, Bedingungen in unserer Gesellschaft und vieles mehr.

Ich höre zu oft, dass „die da oben“ dies und das anders machen müssten. Das ist im Prinzip sicher auch oft gar nicht falsch. Aber „wir hier unten“ haben auch eine große Macht, wenn nicht sogar die viel größere. Wir können viel verändern, wenn wir uns aus der Komfortzone heraus wagen und beginnen, in unserem Leben, in unserem Alltag, in unserem persönlichen Umfeld etwas zu verändern. Das darf ja zunächst ganz klein sein. Ob es sich um Müllvermeidung handelt oder um einen sorgsamen Umgang mit unseren Ressourcen, um Produkte, die wir kaufen – oder eben meiden – oder um noch ganz andere Dinge, kann jeder für sich entscheiden. Wichtig ist, dass wir wieder unsere eigene Verantwortung wahrnehmen und nicht permanent versuchen, diese abzugeben an Politiker oder Konzerne, an Ärzte oder Lehrer oder sonst wen. Wir haben jede Menge Möglichkeiten, gerade in unserem Land. Bewusst leben und entscheiden, Verantwortung für sich und sein Handeln übernehmen, Vorbild sein und andere mitreißen in diesem Tun, etwas für andere tun, sich engagieren, das sind nur einige der Möglichkeiten, die wir hier haben.

Ich wünsche mir Menschen, die weniger jammern und dafür mit überlegen, was wir tun können, damit es uns allen gut geht und wir alle von dem Reichtum, den wir in Deutschland haben, profitieren.

Wer beginnt, sich für die Gemeinschaft oder für einzelne einzusetzen, merkt oft, wie gut ihm das selbst tut. Es ist also eine effektive Form der Selbsthilfe, wenn ich beginne, mich zu engagieren. Das stiftet Sinn im eigenen Leben, bringt Kontakte und Wertschätzung, bildet Gemeinschaft und bindet somit ein und schützt vor Einsamkeit. Das stärkt das Immunsystem und gibt der Seele Aufschwung.

Das Bild ist ein Geschenk an die Praxis. Da hat sich jemand für uns eingesetzt, seine Zeit und Möglichkeiten aufgewendet für uns. Wie schön. An dieser Stelle nochmals danke dafür.

Autor: Ulrike Dauenhauer – Praxis Doppelpunkt

Füße und Zunge

Es stolpern mehr Menschen über ihre Zunge als über ihre Füße. (aus Tunesien) - www.doppelpunkt-praxis.de

Diesen Beitrag will ich gar nicht auf Politiker gemünzt verstanden wissen. Vielmehr geht es für mich darum, selbst mit meinen Worten sorgsam umzugehen. Dabei ist es völlig egal, wo ich diese Worte verwende, ob im persönlichen Kontakt, über einen Kurznachrichtendienst oder im Internet. Worte haben eine enorme Macht.
Manches, was unbedacht gesagt worden ist, wirkt noch über Jahre im Hörer nach.

Gern beschweren sich Menschen darüber, dass andere unachtsam waren in dem, was sie sagten. Umso wichtiger scheint es mir, dass wir unsere Sprache, unsere Worte immer wieder auf den Prüfstand holen. Möchte ich etwas selbst so gesagt bekommen? Wenn ich es selbst so für mich annehmen und gut finden kann, darf ich es anderen sagen. Andernfalls ist Selbstkorrektur, Rückbesinnung, Abstand und Nachdenken angesagt, ehe man das Wort erhebt.

Autor: Ulrike Dauenhauer Praxis Doppelpunkt