Seltsamer Umgang mit Geld und Gaben (2)

Glück ist das Einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben. (Carmen Sylva) - www.doppelpunktt-praxis.de

Vor einigen Tagen postete ich ein Bild mit dem Spruch: „Glück ist das Einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.“ (Carmen Sylva)

Letztlich war ich dann bei Münzen im Brunnen gelandet. Eigentlich war mein Ausgangsgedanke aber ein ganz anderer. Im Internet hatte ich etwas beobachtet, was mich erstaunte und erschütterte. Da hatte eine Frau bei einer Kosmetikfirma angefragt, ob sie ein paar Proben für ihre Arbeit unter Flüchtlingen bekommen könnte. Diese Firma schickte der Frau ein Paket mit verschiedenen Produkten. Und weil diese Frau nun wesentlich mehr bekommen hatte, als sie für die Flüchtlinge erbeten hatte, machte sie ein schönes Foto und wollte die Freude mit anderen Menschen eines sozialen Netzwerkes teilen. Soweit so gut. Ich freute mich über das Engagement dieser Frau für andere, offenbar bedürftigere Menschen. Ich freute mich ebenso über die Großzügigkeit der angefragten Firma, denn die konnte ja nicht davon ausgehen, dass damit irgendwer Publicity machen würde. Und ich freute mich, dass die Frau ihre Freude mit anderen teilte.

Und dann las ich die Antworten anderer Internetnutzer, die mich sehr verstörten. Da regten sich Menschen furchtbar darüber auf, dass die Flüchtlinge nun so gute Produkte bekommen. Ich war sprachlos. Was hat jemand weniger, wenn jemand anderes etwas bekommt? Was fehlt einem Menschen, wenn einem anderen etwas gegeben wird? Warum klagen Menschen, die hier in Deutschland leben und meist auch ganz ordentlich leben – zumindest so gut, dass sie einen Internetanschluss und ein entsprechendes technisches Gerät haben – wenn Menschen, denen es ganz offensichtlich deutlich schlechter geht, etwas geschenkt bekommen? Warum dieser Neid?

Dann erlebe ich, dass sich manche Menschen, die wirklich nicht unter materiellem Reichtum leiden, sich mit viel Engagement für Menschen einsetzen, denen es nur wenig schlechter geht als ihnen selbst. Das beschämt mich.

Es gibt in unserer Gesellschaft offensichtlich eine große Spanne, wie Menschen auf Leid anderer reagieren. Manche Reaktionen ärgern mich, andere beschämen mich, wieder andere ermutigen oder freuen mich und einige inspirieren mich. Letztlich geht es für mich aber immer darum, dass ich als Mensch meinem Mitmenschen gegenüber verpflichtet bin zu Humanität! Und das nicht nur an Weihnachten, sondern das ganze Jahr über. Ich muss und kann die Welt und all die Flüchtlinge nicht retten. Aber ich kann in dem mir möglichen Rahmen etwas tun, um Menschen, denen es schlechter geht als mir, es etwas leichter zu machen. Gerade das Internet bietet da inzwischen viele Möglichkeiten an, wo man Kontaktadressen finden kann, wo sich Initiativen gegründet haben, wo ich eine einfache Aktion sehe und bei mir nachmachen kann. Ich möchte dazu ermutigen, vom eigenen Reichtum – und sei er noch so klein – etwas abzugeben. Geben macht nicht arm, es macht glücklich!

Autor: Ulrike Dauenhauer – Praxis Doppelpunkt

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